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Fast die Hälfte aller Verkehrsunfälle betreffen Führerscheinanfänger zwischen 18 und 24 Jahren. Dabei ist es vor allem der Alkohol, der jedes Jahr tausenden junger Menschen das Leben kostet. Den Feuerwehrmännern kommt dabei stets die traurige Aufgabe zu, die Opfer aus ihren Wracks zu befreien und die Reste des Dramas zu beseitigen. Unsere Geschichte handelt von einem jungen Mann namens Martin, er könnte jedoch auch ganz anders heißen. Wie Sie zum Beispiel...

  • Sekunde Null
    Martin fährt 90 km/h. Sein Auto wiegt 1.200 kg. Bei diesem Tempo stecken im Auto 38.226 kg Translationsenergie (nach vorne in Fahrtrichtung strebende Wucht). Das entspricht der Wucht einer aus 2.000 Meter Höhe abgeworfenen 250 kg Bombe, die mit einer Kraft (Gewicht) von 100 bis 300 Megapond (1 Megapond=1.000 kg) auf hartes Pflaster knallen würde. Da Martin 70 kg wiegt und 90 km/h fährt, fügt er von sich aus noch 2.230 kg Energie hinzu. Soeben fährt er gegen einen Baum.
  • Sekunde 0,1
    Das Zehntel einer Sekunde ist vorbei. Stoßstange und Kühlergrill sind eingedrückt, die Motorhaube beginnt sich zu kräuseln. Der Wagen hat etwa 5 km/h an Fahrt verloren. Martin fühlt sich deutlich nach vorne gedrängt. Neben seinem Gewicht, das mit 70 kg im Polster sitzt, wirkt nun auch ein Gewicht von 170 kg nach vorne auf ihn ein. Martin macht die Beine steif, um dieser Neuigkeit im wörtlichen Sinn entgegenzutreten. Und er stemmt sich gegen das Lenkrad, damit es ihn nicht aus dem Sitz hebt. Mit den Beinen stemmt er rund 156 kg ab, mit den Armen etwa 30 bis 35 kg. Er hätte nie geglaubt, dass er so stark ist, aber es gelang ihm, noch sitzen zu bleiben. Da kommt der zweite harte Stoß. Noch ehe er sich besinnen kann, ist sie vorbei, die
  • Sekunde 0,2
    Die etwas härteren Teile des Fahrzeuges, Radaufhängung und Kühler, sind soeben am Baum angekommen; die Verbindungen mit dem Wagen reißen ab, denn der übrige Wagen fährt noch sehr schnell, insbesondere hinten mit dem Kofferraum. Martin fühlt jetzt einen mächtigen Schlag auf den Beinen, denn der Teil des Wagens, gegen den er sich mit den Füßen stemmt, wurde soeben auf etwa 60 km/h abgebremst. Mit den Beinen stemmt er 350 bis 420 kg ab. Wollte er jetzt noch sitzen bleiben, müsste er mit den Armen 220 kg am Lenkrad abstemmen, aber das schafft er doch nicht. Seine Kniegelenke geben nach, sie brechen einfach knirschend oder springen aus dem Gelenk. Und eine deutlich spürbare Gewalt zieht ihn mit seinem Gewicht von rund 140 kg auf einer Kreisbahn nach oben in die Ecke der Sonnenblende. Alles in allem verteilt Martin zurzeit insgesamt 413 kg Eigengewicht auf seine Gliedmaßen.
  • Sekunde 0,3
    Martin hat jetzt ein etwas leichteres Schicksal: Er ist mit dem Fliegen beschäftigt, er ist noch unterwegs zu den Hindernissen. Seine gebrochenen Knie kleben am Armaturenbrett, mit den Händen hält er das Lenkrad fest, das sich unter seinem Griff elastisch biegt, und ihn um weitere 5 km/h abbremst.
  • Sekunde 0,4
    Martin ist noch immer unterwegs, sein Becken stößt gegen den Lenkradkranz. Martin ist in diesem Moment nur etwa 100 kg schwer. Die Lenksäule biegt sich unmerklich nach oben. Da kommt der furchtbare Moment, indem der schwerste und stabilste Teil des Wagens, der Motor, an den Baum kracht.
  • Sekunde 0,5
    ist soeben vorbei. Motor und Martin stehen still. Nur der Kofferraum fährt noch mit 50 oder 60 km/h. Die Seitenwände des Wagens überholen sich selbst. Die Hinterräder bäumen sich hoch auf, zwei drei Meter hoch. Aber der Wagen interessiert uns jetzt nicht: Was ist mit Martin in dieser Zeit passiert? Martin kam im Verlauf einer Zehntelsekunde zum Stillstand. Sein Gewicht wuchs auf 973 kg an. Mit dieser erbarmungslosen Gewalt wurde er gegen die Lenksäule geschleudert. Das Lenkrad, an dem er sich noch immer fest hielt, brach unter dieser Stoßkraft wie ein morsches Brett zusammen. Mit der Kraft von rund 870 bis 920 kg (je nach Stärke des Volants) dringt die Lenksäule als stumpfe Lanze in seine Brust. Gleichzeitig schlägt der Kopf mit einem betäubenden Schlag gegen die Windschutzscheibe. Hätte sich Martin nicht mit so übermenschlicher Kraft am Lenkrad fest gehalten, dann würde er vielleicht in diesem Moment auch 1.300 kg schwer geworden sein. Und dabei wären ihm die festgeschnürten Schuhe von den Füßen geflogen. Noch eine oder zwei Zehntelsekunden, dann ist Martin tot.

Nach sieben Zehntelsekunden steht der Wagen still.

Das Unglück ist vorbei.

Sagen sie einmal "einundzwanzig" das ist eine Sekunde.

Und nun sagen sie "zwanzig": Das ist die Zeit in die Ewigkeit für Martin gewesen.

   
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